Unser Seeprojekt – Umweltschutz ist Klimaschutz

(Zeitungsartikel zum Seeprojekt finden sich unter Presse!)

aufraeumen

Was war das Ziel des Projekts?

1. Durch Anlage einer großen Schutzzone sowie einer partiellen Seevertiefung sollte der Oereler See als CO2 Speichergewässer mit sehr seltener Fauna und Flora (Libellen, Seekanne, Molche, Erdkröten, Eisvogel) erhalten werden und gleichzeitig durch Umlegen von Wanderwegen eine Möglichkeit geschaffen werden, den See als Naherholungsgebiet zu nutzen, ohne die Fauna und Flora zu zerstören. Des Weiteren sollte der See für den Unterricht der GHRS Oerel nutzbar gemacht werden, indem die Schüler in einem Bauwagen ein Schülerwasserlabor mit Keschern, Bestimmungsbüchern, Bibliothek, Lupen, Mikroskopen und Analysekoffern errichten. In diesem Labor soll in den kommenden Jahren neben anderen Analysen auch der CO2 Gehalt des Wassers regelmäßig untersucht, protokolliert und ausgewertet werden. Aufgrund der zu erhebenden Daten sollen die Forschungen zum CO2 Speicherungsvermögen von Tümpeln und Seen von John Downing (siehe dazu: www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,552091,00.html) am Beispiel des Oereler Sees näher erforscht werden.

2. Die Schüler sollten durch die Errichtung eines Stationenlernens am See lernen, anderen Schülern der Schule ihre erworbenen Kenntnisse über Analysemethoden, Fauna und Flora zu vermitteln.

3. Die Zusammenarbeit der Schule mit der Kommune, dem Kindergarten Oerel, dem Naturschutzbund NABU und dem RUZ Umweltpyramide Bremervörde sollte intensiviert werden.

4. Die Schüler sollten in der Naturschutzarbeit die Natur kennen und lieben lernen. Nur was man kennt und liebt, schützt man auch.

5. Die Schüler sollen den jetzigen und zukünftigen Erhalt des Oereler Sees durch eine aktive Patenschaft sicherstellen.

6. Die Schüler der Hauptschulklasse 8a sollen in der gemeinsamen Arbeit im Projekt zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen.

 

Wie wurde das Projekt umgesetzt (von der Recherche bis zur Durchführung der Aktivitäten)?

Der Oereler See ist durch seine alkalische Grundwasserspeisung ein für die Gegend um Bremervörde einzigartiges, sehr artenreiches Biotop für Libellen, Amphibien und Reptilien und den Eisvogel. Es handelt sich beim Oereler See um ein geschütztes Gewässer. 
Den Schülern fiel auf Schulexkursionen zum See auf, dass sich die Wasserqualität in den Sommermonaten deutlich verschlechtert. Sie wollten den Ursachen auf den Grund gehen. Daraufhin beschlossen sie gemeinsam dem See zu helfen. Zunächst sollte der See untersucht werden und Ursachen für die vermehrte Algenentstehung gefunden werden. Dazu war es nötig geeignete Analysegeräte zu bekommen. Es entstand die Idee der Errichtung eines Schüler Wasserlabors am See. Durch Zufall stieß ich in dieser Zeit auf den Artikel im Spiegel "Tümpel und Seen speichern CO2 besser als Ozeane". Dadurch verstärkte sich der Wunsch der Kinder den See als Lebensraum zu erhalten. 
Unterstützung bekamen sie bei der Errichtung des Labors durch die BINGO Lottostiftung mit 3000€ und der Gemeinde Oerel durch die Schenkung eines Bauwagens zur Unterbringung der Geräte. Viele Eltern und Dorfbewohner, die durch die Zeitung auf das Projekt aufmerksam wurden, halfen den Schülern mit Material, Arbeitskraft und Sachspenden.

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Firma Jakobs aus Bremervörde spendet Häcksel für die Wege


Durch Analysen stellten die Schüler fest, dass der See wenig Nährstoffe enthält, die Algenwachstum fördern. Die Ursache musste also woanders zu finden sein. Eine von den Schülern selbst entwickelte Untersuchung mit einem Boot und einer Lotschnur zeigten, dass der See an der tiefsten Stelle nur 1,5 m tief ist. Damit hatten sie die Ursache für das verstärkte Auftreten der Algen gefunden. In den See gelangt- durch den auswuchernden Seerosenbewuchs- zu wenig Licht. Das Gleichgewicht des Sees ist dadurch gefährdet. Um den See lag immer viel Müll und der Uferbewuchs wurde häufig durch Angler zerstört. Die Schüler beschlossen, einen Teil des Sees zum Schutzgebiet zu „machen“. Um am See eine Schutzzone einzurichten, war es nötig, den ursprünglichen Weg um den See umzulegen. Die Schüler hatten dabei die Idee, den Weg zu einem Naturlehrpfad umzugestalten. Die Interessentenforstgemeinschaft erlaubte den Schülern den Weg über ihr Gelände auf dem Hang zu legen. Es entstand ein wunderbarer Höhenweg besäumt mit selbst erstellten naturkundlichen Zeichnungen und Erklärungen über die Fauna und Flora des Sees und des nahe gelegenen Eichen-Hainbuchen Mischwaldes durch den der Naturpfad umgelegt wurde. Auf diese Weise konnte gleichzeitig ein Teil der Uferzone beruhigt werden, ohne den Spaziergängern die Möglichkeit zu nehmen, um den See herumgehen zu können. 
Fachlich beraten wurde das Projekt durch den Biologen Axel Roschen von der NABU Umweltpyramide Bremervörde und der unteren Naturschutzbehörde. 

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Das Projekt läuft seit Sommer 2006 bis heute: Die derzeitige Klasse 8a hat den Wanderweg um den See umgelegt und zum Naturlehrpfad ausgebaut und somit eine Naturschutzzone errichte, die kein Mensch betreten darf, da dort der Eisvogel brütet. Das Wasserlabor im Bauwagen ist errichtet und wird ständig von Schulklassen der Schule Oerel, vom Kindergarten Oerel oder vom NABU benutzt. Als Sofortmaßnahme wurde ein Teil der Seerosen durch Mähen von der Unteren Naturschutzbehörde entfernt. Die Gemeinde Oerel hat den See im Winter 2008 vertieft. Eventuelle weiter Vertiefungen sind, je nach Wasseranalysewerten in Zukunft, angedacht. 
Die Klasse 8a hat sich um Sponsoren gekümmert, Zeitungsinterviews gegeben (siehe Anhang) und ist sichtlich in ihrer Aufgabe gewachsen. Die Klassengemeinschaft hat sich deutlich verbessert. Das und sicher noch viel mehr geschieht in Zukunft: Die Klasse 8a wird im Rahmen einer Patenschaft den Naturlehrpfad in Stand halten. Viele Kinder der Schule Oerel werden mit den Analysemethoden des Labors vertraut gemacht. Auf diese Weise soll ein langfristiges Wasserqualitätsprofil erstellt werden und die Schüler lebendigen Biologieunterricht erleben. Die Kinder möchten gerne einen Steg bauen, damit sie im See besser Keschern können. Die Finanzierung ist noch ungeklärt. Spenden sind willkommen. Eine Erweiterung des Naturlehrpfades in Zusammenarbeit mit dem Interessentenforst Oerel und den Jägern ist angedacht. Was soll nicht geschehen: Der See soll keineswegs abgezäunt werden. Im Gegenteil der See soll weiter so genutzt werden wie bisher und für die Bevölkerung des Ortes frei zugänglich sein. Es ist lediglich eine Schutzzone für die Tier- und Pflanzenwelt entstanden, die einen Rückzugsraum für Tiere wie z.B. den seltenen Eisvogel darstellt und somit das Naturerlebnis für den Besucher in Zukunft eher steigern, denn schmälern wird. Naturschutz und Naturerlebnis sollen hier am See zu einer Einheit verschmelzen.“

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Warum wurde genau diese Herangehensweise und die Darstellungsform des Wettbewerbsbeitrags gewählt?

Die Klasse 8a ist eine typische Hauptschulklasse. Probleme gab es im sozialen Bereich. Um die Gruppe zu stärken beschloss ich mit der Klasse ein Projekt durch zu führen. Die Stärken der Hauptschulklasse 8a liegen im praktischen Bereich. Die Schüler sollten mit Händen etwas gestalten können, so eine Beziehung zum See aufbauen und schließlich zur Forschungsarbeit motiviert werden. Das Projekt war offen gestaltet. Zu Anfang wusste ich nicht, wie das Ergebnis aussieht. Die Schüleridentifikation mit dem Projekt war enorm. Die Powerpointpräsentation gibt am besten die Stimmung wieder, die wir in der Projektarbeit erlebten. Die Schüler haben sie selbst erstellt und wollten diese unbedingt als Dokumentation verwenden, obgleich sie nur Fragmente zeigt. Letztlich ist es auch egal wie wir in diesem Wettbewerb abschneiden. Gewonnen haben wir schon und unser Gewinn ist eine tolle Klassengemeinschaft und ein gemeinsames Naturschutz- und Forschungsprojekt bis zum Schulaustritt und sicher noch darüber hinaus.

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Inwieweit wurde der Schulträger (Kommune) in das Projekt mit eingebunden?

Der Schulträger ist Besitzer des Sees und hatte selbst ein großes Interesse am Erhalt des Sees als Naherholungsgebiet und ökologisch wertvolles Gewässer. Er spendete den Bauwagen zum Unterbringen des Wasserlabors sowie die Analysekoffer. Der kommunale Kindergarten klinkte sich in das Projekt ein.

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Schilder werden gebaut


Inwieweit wurden andere Experten und Sponsoren eingebunden?

Einbezogen wurde die Untere Naturschutzbehörde und der NABU-Niedersachsen als biologisch fachliche Berater für die Projektdurchführung, die Jagdgemeinschaft Hoher Oerel und der Interessentenforst Hoher Oerel durch ihre Zusicherung neue Wanderwege durch ihre Ländereien führen zu dürfen, die Firma Jakobs spendete uns Holzhäcksel für den Naturwegebau, die BINGO Lottostiftung spendete uns 3000€ für die Errichtung des Wasserlabors und den Druck der Schilder für den Naturwanderpfad.

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Wie war die Resonanz auf das Projekt?

Die Resonanz war überwältigend. Die Schüler (siehe Projektauswertung im Brief), Eltern, der Schulträger, die Gemeinde Oerel, die Schulleitung waren begeistert und erstaunt, was eine Hauptschulklasse bewegen kann. Die Bremervörder Zeitung berichtete zweimal mit ganzseitigem Bericht von dem Projekt. Ebenfalls der "Anzeiger" mit jeweils halbseitigen Berichten. Der See wird nun von vielen Naturliebhabern als Naherholungsgebiet aufgesucht. Die errichtete Schutzzone gibt den Tieren und Pflanzen die Möglichkeit ungestört zu leben. Mensch und Natur stehen in einem ausgewogenen Verhältnis. Die weitere Verlandung des Sees ist für die nächsten 5 Jahr gestoppt, so dass der Eisvogels und Libellen weiterhin hier leben können. Der See wird ständig als Ziel für Exkursionen im Biologie und Chemieunterricht aufgesucht. (er liegt nur 1 km von der Schule entfernt). Auch das RUZ NABU-Umweltpyramide bietet Exkursionen zum Oereler See an. Der Kindergarten Oerel besucht den See regelmäßig. Der ehemalige NABU-Landesvorsitzende Hans-Jörg Helm ließ es sich nicht nehmen persönlich die Ergebnisse zu sichten und war begeistert (siehe Zeitungsausschnitte). An das Projekt angeschlossen hat sich auch die Hauptschule der Nachbarstadt Bremervörde. Der See wurde Teil ihres Comenius Projektes und wurde bereits von Delegationen englischer und finnischer Schulen besucht. Es ist eine Schülerfirma in der Entstehung, die Schülergruppen und Kindergartengruppen eine Erlebnisführung von Schülern für Schüler  anbietet. Diese Führungen werden bereits jetzt mit großem Erfolg von der Klasse 8a für die umliegenden Schulen und Kindergärten angeboten, organisiert und durchgeführt.  

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Inwieweit trägt das Projekt dazu bei, CO2 einzusparen und das Klima zu schützen?

Biologisch intakte Seen sind laut Forschungen von John Downing von der Iowa State University in der Lage in relativ großem Umfang CO2 aus der Luft aufzunehmen und abzuspeichern. Durch den Erhalt des Oereler Sees soll ein CO2 Speicher erhalten bleiben und geschützt werden. Des Weiteren soll durch Untersuchungen der Temperaturabhängigkeit des CO2 Gehaltes die Untersuchungen Downings bestätigt werden. Untersucht werden soll, ob die Vertiefung des Sees in den nächsten Jahren zu steigender CO2 Speicherung führt. Es gibt also noch viel zu forschen.

 

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Freundschaften werden gefestigt

 

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Totholzhaufen zur Absperrung des Schutzgebietes

 

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Erst die Arbeit, dann ...

 

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Wegebau: Die Maurerschnur zahlt sich aus / Der fertige Weg

 

 

Bild folgt!

Wasserlabor im Bauwagen

 

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Das sind wir: Die Klasse 8a!


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Unser Dorf Oerel


Unser Seeprojekt bei der DBU